Sleepsong

Es ist schon erstaunlich, was immenser Schlafmangel so alles anrichten kann, finde ich.

Da ich unter diagnostizierten akuten Schlafstörungen leide, die psychischer Ursache sind, werden mir gelegentlich (und gelegentlich bedeutet, immer, wenn ich es brauche) starke Schlafmittel verschreiben. 

Ich verabscheue diese Medikamente so wie alle anderen Psychopharmaka, denn es sind schließlich Drogen. 

Wenn ich am Abend um 22 Uhr eine Schlaftablette nehme, so sinke ich relativ schnell in einen tiefen, aber merklich künstlichen Schlaf. Vorher aber, beginnt sich alles zu drehen, immer schneller, immer weiter, bis mein Geist sich schließlich ausklinkt und ich endlich ruhen kann.
Ein paar Stunden später schrecke ich dann hoch, aus dem Schlaf gerissen durch den unsanften Ton meines Weckers, und ich spüre, dass ich nun zwar im Geiste wach bin, mein Körper aber noch im Schlafmodus ist.

Es ist, als wäre ich auf Drogen (tatsächlich bin ich das, wenn man es genau nimmt). Meine Augenlider sind schwer und träge, mein Geist ist langsam und ich denke weniger, viel weniger. Mein Kopf schmerzt und ich kann mich nicht konzentrieren, alles scheint lichtjahre weit von mir entfernt zu sein, hinter den erweiterten Pupillen meiner toten Augen schwimme ich in meiner eigenen, kleinen Welt, abgeschnitten von der Außenwelt. Ich spüre, wie mein Mund sich zu einem lächeln nach dem anderen verzieht, wie er sich öffnet, höre anschließend meine Stimme, doch es sind nicht meine Worte, die sie sagt. 

Und ich bin so müde.

 Irgendwann lässt die Wirkung nach, und dann denke ich wieder und kann nicht schlafen, obgleich mein Körper nach Schlaf dürstet, um die Chemikalien verarbeiten zu können, und ich weiß, dass ich aufhören muss, meinen Geist auf diese Art und Weise auszuschalten, doch wenn ich das Teufelszeug nicht im Blut habe, dann lässt mein Geist mich nicht gehen, völlig egal, wie müde ich bin.

Auch diese Nächte machen süchtig. Nach einer Zeit verliert man das Zeitgefühl, die Gdanken ziehen immer weiterre Kreise, und in eben jenen Nächten wurde ICH geboren, mein ICH hat all seine Meinungen, Ansichten, Weisheiten und Zweifel aus jenen Nächten.
Je länger ich wach bin, desto verworrener werden meine Gedanken, umso sichtbarer wird die universelle Antwort auf die Frage, deren Wortlaut ich nicht kundig bin, obgleich sie sich in jeder Stunde, jeder Sekunde in mein Herz brennt.

Wenn ich des Nachts wach liege, bin ich an den Tagen müde. Ich bin keine lebende Tote so wie bei den Tabletten, aber ich bin müde, und dabei spreche ich nicht von der leichten Schläfrigkeit, welche die Menschen überfällt, wenn sie am Abend zu lange an ihren verkorksten, irrealen Internettreffpunkten waren, sondern von der Art von Müdigkeit, die die Sinne völlig abstumpft, die Augen in ihren wunden Höhlen in glühende Kolen verwandelt, jegliche Stärke und Selbstkontrolle nach und nach eliminiert und einen nach einer gewissen Zeit Stimmen hören lässt.

Mein Rekord waren drei Nächte ohne Schlaf, daraufhin habe ich mein Bewusstsein verloren. Es ist keine schöne Angelegenheit aber, um ehrlich zu sein, der Zustand macht süchtig, genausosehr wie die oben genannten Drogen. 

Wenn ich wüsste, wie die Menschen es anstellen, sich einfach am Abend in ihr Bett zu legen, die Uagen zu schließen und furchtlos in einen Schlaf voller guter Träume zu fallen, dann wäre ich glücklich, denn mir fehlt der Schlaf mehr als alles andere, mit meinen Krankheiten könnte ich leben doch diese Mangelerscheinungen treiben mich in den Ruin. 

Wie gern ich einfach wach bleiben würde. 

Ich meine, man sagt, es dauert zwischen 6 und 11 Tagen, bis man an Schlafmangel stirbt. Ich präferiere diese Methode des Suizid auf gar keinen Fall (obwohl es schon irgendwie edel ist) aber ich wäre interessiert daran, was mit mir passieren würde und ob ich die Antwort endlich erlangen könnte.

Ich bin ein komisches kleines Mädchen in einer komischen, winzig kleinen Welt, welches der einfachsten Kunst der Welt, des Schlafens, nicht mächtig ist. 

Mal am Rande erwähnt, ich finde das Buch "Der unsichtbare Apfel" großartig. Du solltest es lesen. Ja, genau du! Ich kann mich mit Igor ein wenig (und glücklicherweise ist es wirklich nur ein wenig) identifizieren. 

Ich mag seine Idee, 100 Tage in einem Raum der völligen Dunkelheit und Stille zu verbringen. Gern würde ich es versuchen, einfach, weil es mich wohl stark verändern würde und mein ICh so wie es ist nicht lange überleben wird und sollte. Also gilt es, selbiges zu ändern. 

Ich werde jetzt lesen, eine der wenigen unerrschöpflichen Freuden meiner Person ist die unzählbare Zahl der Bücher, die auf dieser welt existieren. 

Hugs, Kisses and Shotguns.

2.12.16 21:01

Letzte Einträge: Stupid humankid, Love etc., ................

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